Mirak-Weißbach-Stiftung
Mirak-Weißbach-Stiftung
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Soziale Projekte

My Way - Professionelle Hilfe
für Kinder mit Autismus in Armenien

Es war im April 2017, daß wir erstmals das Tageszentrum für soziale Rehabilitation für Kinder mit Autismus, genannt My Way, besuchten. Bei einer Führung der Mitgründerinnen und Vorstandsmitglieder der Initiative Lilit Soghomonyan und Sona Petrosyan lernten wir, daß das Zentrum 5 Tage die Woche von 9 Uhr 30 bis 4 Uhr 30 professionelle Hilfe und ein breit gefächertes Angebot an Aktivitäten für die autistischen Kinder anbietet. Die Angebote sind mit den Eltern der Kinder individuell abgestimmt und reichen von Sprachtherapie, Musikerziehung, Kursen im Malen, Zeichnen und Töpfern bis hin zu Angeboten in Sport, Gartenarbeit und der Herstellung von kleinen Kerzen, Glöckchen oder Postkarten. 

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Untere Reihe: Muriel Mirak-Weißbach, Lilit Soghomonyan, Sona Petrosyan

Die Kinder sehen die Früchte ihrer Arbeit nicht nur in den fertigen Produkten, sondern oftmals auch in deren Verkauf. Das Zentrum hat begonnen, z.B. den Verkauf von Bildern auch online zu organisieren und die Einnahmen für die Finanzierung von Therapieklassen zu verwenden. Dieser kommerzielle Teil ist ein Baustein auf dem Weg, im Zentrum älteren Schülern eine Berufsausbildung anzubieten und so die Jugendlichen auf ein selbständiges Leben vorzubereiten. Wie uns Lilith Soghomanyan seinerzeit erklärte, soll hier auf die Bedürfnisse von Kindern und Familien gleichermaßen eingegangen werden, sollen Möglichkeiten von Informationsaustausch und Beratung angeboten werden und dadurch das soziale Bewußtsein für das Problem des Autismus geweckt werden. In einer schul-ähnlichen Organisation des Tagesablaufs bekommen Kinder und Jugendliche unter Aufsicht von Spezialisten ein therapeutisches und soziales Anbebot, während die Familien ihren normalen Tagesgeschäften nachgehen können.

Die folgenden Bilder zeigen die Vielfalt der Therapie-Angebote und eine kleine Auswahl von Bildern der Schüler. Die Leistungen einiger Malschüler sind so beeindruckend, daß die Bilder schon in Ausstellungen gezeigt und teilweise auch auf Auktionen erfolgreich verkauft wurden, die Räume sind in Eigenregie geschmackvoll und sauber gestaltet.

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Wie alles begann:
Mütter und Frauen werden aktiv

Es sollte nicht überraschen, daß die Gründerinnen des Zentrums selbst Mütter von autistischen Kindern sind. Bevor das Projekt startete, gab es in Armenien keine Einrichtung, die sich überhaupt dem Problem des Autismus widmete. Lilith, deren Tochter Jeva seit einiger Zeit Symptome von Autismus zeigte, kam in Kontakt mit Renate Beil, die in Wiesbaden Malunterricht bei Liliths Mutter Nona Gabrielyan nahm. Renate traf Lilith, die selbst Malerin in 2. Generation ist, bei einem Besuch in Armenien und reagierte spontan auf die Notlage. Sie vermittelte den Kontakt zu Maria Kaminski, Mutter eines Sohnes mit Autismus und Gründerin von 82 (!) Zentren für Autismus in Deutschland und Direktorin der nationalen Gesellschaft für Autismus hier. Aus diesem 1. Kontakt hat sich inzwischen durch zahlreiche Besuche von Maria Kaminski nach Jerewan und durch ihre fachliche Unterstützung ein wunderbares Projekt entwickelt. 

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Maria Kaminski spricht in Jerewan

Schon 2 Jahre später wurde mit Hilfe von Dr. Ira Heilveil, ein Spezialist für klinische Psychologie und Verhaltensanalyse aus Los Angeles ein ”International Child Development Center - ICDC” (”internationales Zentrum zur Kindentwicklung”) gegründet. Dr. Heilveil blickte auf eine 30-jährige Tätigkeit als Therapeut für autistische Kinder zurück und war so prädestiniert, eine Gruppe von Spezialistinnen in Jerewan auszubilden, die wiederum andere ausbilden konnten. Allerdings konnte anfänglich aus Mangel an geeigneten Räumen nur einer kleinen Auswahl von Kindern und Jugendlichen Hilfe angeboten werden.

Präsidentengattin gründet nationale Initiative

Für Armenien war es ein nächster großer Schritt, als 2012 auf Initiative der damaligen Präsidentengattin Rita Sargsyan die ”Autism National Foundation” (ANF) gegründet wurde. Die Direktorin Lilit Atajanyan hatte sich bereits als Ärztin in zahlreichen karitativen Initiativen für Kinder mit Behinderungen engagiert. Jetzt sollten auch Menschen mit Autismus, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen Hilfe zur Erziehung und Ausbildung erhalten und so vorbereitet werden auf eine sinnvolle Berufstätigkeit. Die neue Stiftung will die Lebensqualität dieser Menschen merklich verbessern, das öffentliche Bewußtsein schärfen und die Chancen auf soziale Inklusion durch Regierungshandeln im ganzen Land erhöhen.

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Die damalige First Lady Rita Sargsyan im My Way Zentrum mit Studenten und Mitarbeitern.

Ebenfalls 2012 erhielt die Stiftung ein Gebäude von der Stadtverwaltung und die Gelder, das Gebäude zu renovieren. Im Januar 2015 öffnete die neue Einrichtung für über 100 Studenten seine Türen und das Tageszentrum zur sozialen Rehabilitation für Kinder und Jugendliche mit Autismus, heute bekannt als My Way, nahm seine Arbeit auf. Das neue Zentrum vereint unter seinem Dach, gleichsam als eine Familie, die ANF, die NGO ”Autism - Overcoming” und die ICDC und kann 5 mal so vielen Kindern Hilfe anbieten als in den alten Räumlichkeiten.
Zur gleichen Zeit machte die Stadtverwaltung ein 2. angrenzendes Gebäude verfügbar, das den Weg frei machen sollte für eine weitere Säule des Hilfsprogramms - ein altersspezifisches Berufsschulzentrum für Jugendliche mit Autismus. Die Jugendlichen sollen hier nicht nur in Lernwerkstätten ausgebildet werden, sondern hier auch wohnen können. Die Fächer reichen von Nähen und Sticken, Teppichweben, Töpferei und Schreinerei, Gartenbau, Kochen, Musik und Kunst. Das Ziel wird sein, mit Organisationen und Firmen zusammenzuarbeiten, die Arbeitsplätze anbieten und Märkte für die gefertigten Produkte bereitstellen können.
Seit Januar 2017 hat das Ministerium für Arbeit und Soziales den Lohn für die 30 Fachkräfte finanziert, obwohl die Entlohnung sich auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt. Bei unserem 1. Besuch im April 2017 konnte das Tageszentrum für 140 Personen Plätze anbieten, die von insgesamt 73 Spezialisten betreut werden. Inzwischen hat das Tageszentrum sich weit über Jerewan hinaus einen guten Ruf als Hilfsanker für Familien mit autistischen Personen gemacht. Im Laufe der Zeit wurde die Warteliste der bedürftigen Familien immer länger und ist auf über 150 angewachsen. Die Schaffung neuer Räumlichkeiten, d.h. vor allem die Renovierung des 2. Gebäudes war also das Gebot der Stunde. Die Planungen dafür begannen im Jahre 2017 und es begann ein wahrer Marathonkampf für die Leiterinnen des Zentrums. Stiftungen und private Geldgeber im In- und Ausland mußten angesprochen und für Unterstützung gewonnen werden. Mitten in die Arbeiten ereignete sich dann die Revolution 2018, was natürlich Unsicherheiten mit sich brachte. Wie würde die Sozialpolitik der neuen Regierung aussehen? Würde sie sich ähnlich engagieren, wie es die vorige dank der Fürsprache der First Lady getan hatte? Nach langen kräfte- und nervenzehrenden Anstrengungen konnten die Arbeiten begonnen werden. Sie kamen aber Ende 2018 zu einem abrupten Ende, weil die Gelder ausgegangen waren. Private Spender traten auf den Plan, so u.a. die John-Mirak-Foundation aus Massachusetts in den USA. Dank kreativer Fundraising-Arbeit der Leitung des Zentrums gelang es schließlich, die Finanzlücke immer weiter zu schließen. Den Schlußpunkt setzte die neue FirstLady, Anna Hakobyan, mit einer Spende durch ihre Stiftung My Step. Das Projekt konnte in die finale Phase und zur Vollendung gebracht werden.

Feierliche Eröffnung
des 2. Gebäudes von My Way

Am 28. September 2019 konnte das 2. Gebäude feierlich eröffnet werden. Wie Sona Petrosyan erklärte, war die ganze Welt eingeladen worden, d.h. jeder, der in den letzten Jahren auch nur irgendeinen Beitrag zur Realisierung geleistet hatte oder auch nur im entferntesten eine Beziehung zu dem Projekt hatte. Und viele waren gekommen: Der 1. stellvertretende Minister für soziale Angelegenheiten, Gemafin Gasparyan, die neue First Lady Anna Hakobyan, deren Stiftung die letzte Finanzlücke geschlossen hatte, eine Vertreterin von Nune Sarkissyan, der Frau des Präsidenten Armen Sarkissyan, Vertreter der Stadtverwaltung Jerewans und der Medien, Vertreterinnen von Organisationen, die sich im In- undAusland mit dem Problem des Autismus befassen. Aus Deutschland war Maria Kaminski angereist, die ganz am Anfang den Gründerinnen Mut, Unterstützung und Beratung hatte zukommen lassen und so einen entscheidenden Anstoß für das May Way Projekt gegeben hatte. Begleitet wurde sie von Martina Steinhaus, die in Deutschland ein Therapiezentrum und eine Werkstatt für Menschen mit Autismus leitet. Sie hatte einen Tag vor der Einweihung einen Workshop für das Personal des Zentrums gehalten, der mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Maria Kaminski hatte in ihrer Rede an die Festgemeinde den verantwortlichen Frauen zu ihrem Erfolg gratuliert und allen Beteiligen versichert, daß sie auf dem richtigen Weg seien. Im Endeffekt profitiere die ganze Gesellschaft davon, wenn auch für Menschen mit Behinderungen Bedingungen geschaffen würden, unter denen sie sinnvolle Beschäftigung erlangen, einen wichtigen Beitrag für die gesamte Gesellschaft leisten und eine angemessene Lebensqualität genießen könnten. Während ihres Besuchs in Jerewan hatte Frau Kaminski auch das Ministerium für soziale Angelegenheiten besuchen können, und sicherlich hat die Anwesenheit einer international so anerkannten Pionierin und Expertin in Sachen Autismus ihre Wirkung auf die politisch Verantwortlichen nicht verfehlt.
Natürlich durften während der Feier Vertreter der armenischen Diaspora nicht fehlen, allen voran Vertreter der armenischen Gemeinde in Istanbul. Denn von hier war in einem Beispiel wahrhaft kreativen Fundraisings eine erhebliche Summe an Geldern für die Realisierung des Projekts zusammengekommen. Im April hatte auf Initiative von Ani Kurtyan eine Ausstellung und Auktion von Bildern von Schülern und Vorstandsmitgliedern von My Way in der Aula der armenischen Karagezian-Schule in Istanbul stattgefunden, eine äußerst erfolgreiche und schöne Veranstaltung.
Bereits vor der feierlichen Eröffnung hatte sich die Festgemeinde in einer Kirche versammelt, und unter Leitung des Diözesan-Bischofs Ter Serpuh Chuljyan auch der verstorbenen Unterstützer des Projekts gedacht und um Segen für die weitere Arbeit der Einrichtung gebeten. 

Unten: My Way feiert
die Einweihung des zweiten Gebäudes.

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Zusammenarbeit mit FAR

Zentrum zum Schutz von Kindern – Renovierung der Turnhalle in Jerwandaschat – eine Schulküche für die Schule in Parakar

Der Fund for Armenian Relief (FAR) wurde 1988 nach dem verheerenden Erdbeben im Norden Armeniens gegründet. Die Katastrophe hatte die Stadt Spitak völlig zerstört und die 2.-größte Stadt des Landes Gjumri in eine Ruinenlandschaft verwandelt. 25.000 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende wurden verletzt, verwaist und obdachlos. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Katastrophe hatte das Oberhaupt der östlichen Diözese der Armenischen Kirche in den USA, Erzbischof Torkom Manoogyan, die Initiative ergriffen und die gesamte armenische Diaspora zu einer beispiellosen Hilfsaktion aufgerufen. Über den neu gegründeten Fond wurden die Resourcen der Diözese mobilisiert, gebündelt und lebenswichtige Nothilfe organisiert.
Seitdem hat sich FAR zu einer der größten unabhängigen Organisationen entwickelt, deren Tätigkeitsfeld sich beständig ausgeweitet hat. Als Partner und Koordinierungsstelle von privaten und institutionellen Geldgebern im In- und Ausland hat er den Weg Armeniens von einer totalitären Planwirtschaft hin zu einer sozialen Marktwirtschaft begleitet und mitgestaltet. Dabei hat sich FAR sicherlich die größten Verdienste für die Entwicklung des Landes auf dem breiten Feld des sozialen Engagements erworben. Es reicht von Programmen zum Schutz von Kindern, zur Förderung von Bildungs- und Berufschancen junger Menschen, zur Föderung von Schulen und Bildungseinrichtungen, zur wirtschaftlichen Entwickung bis hin zur Bereitstellung sozialer Dienstleistungen für alte Menschen und Menschen in Not.
Als Mirak-Weißbach-Stiftung sind wir froh, daß wir von Anfang unseres Engagements für Kinder und junge Menschen in und aus Armenien im Jahre 2013 in Zusammenarbeit mit FAR treten konnten, die sich über die Jahre vertrauensvoll und freundschaftlich entwickelt hat. Margarit Piliposyan stand uns dabei stets mit Rat und Tat zur Seite.

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Margaret Piliposyan und Muriel Mirak-Weißbach bei einem Besuch in Jerwandaschat nahe der türkischen Grenze

Es war sie, die uns Vorschläge unterbreitete, welche Projekte wir unterstützen könnten. Dazu erstellte sie einen Kostenvorschlag, schickte, wenn möglich, Bilder oder besuchte mit uns die Einrichtung, die Hilfe benötigte. Wenn wir zustimmten, vereinbarten wir die genauen Umstände der Spende, also wie und wofür und in welchem Zeitraum unsere Spende verwendet würde. Und nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Projekt bekamen wir einen Rechenschaftsbericht, bzw. konnten bei unserem nächsten Armenienbesuch das Ergebnis begutachten. Auf diese Weise haben wir in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Projekten in guter Zusammenarbeit abgeschlossen, die wir im folgenden kurz beschrieben wollen.

Zentum zum Schutz von Kindern

Bei den 1. Pojekten, die die Mirak-Weißbach-Stiftung zusammen mit FAR durchführte, handelte es sich um wichtige Renovierungsarbeiten für das Zentrum zum Schutz von Kindern. Diese Einrichtung, die im Jahr 2000 gegründet wurde und für die ein ehemaliges Polizeigefängnis umgebaut worden war, bietet seitdem Kindern im Alter von 3 bis 18 Jahren Schutz, die verlassen, vernachlässigt, mißhandelt oder durch Kinderarbeit mißbraucht wurden oder schwer erziehbar, obdachlos, alkohol- und drogensüchtig sind. Es war lange Zeit die einzige Einrichtung seiner Art in Armenien, ja sogar im gesamten ”Ostblock”.
Im Oktober 2014 konnten mit einer Spende der Mirak-Weißbach-Stiftung die Kellerräume in einem Trakt des Gebäudekomplexes so wasserdicht gemacht und renoviert werden, daß eine Turnhalle und Fitness-Räume entstanden. Sie werden inzwischen auch im Winter in sicherer, sauberer und warmer Umgebung für Sportaktivitäten aller Art, aber vor allem für den beliebten Tanzunterricht genutzt.

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Der Innenhof des aus einem Polizeigefängnis entstandenen Zentrums zum Schutz von Kindern. Im Hintergrund das Gebäude, in dem die jüngsten der betreuten Kinder zu Hause sind.

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Der Boden der Turnhalle des Zentrums zum Schutz von Kindern im Oktober 2014. Recht: nach der Renovierung im Dezember 2014

Im Jahre 2016 wurden mit einer Spende der Mirak-Weißbach-Stiftung die sanitären Einrichtungen - Toiletten, Waschbecken, Duschen rundumerneuert. Als die Direktorin des Zentrums Frau Antonyan uns damals durch das großzügige Gelände führte, sagte sie uns: ”gute Hygiene ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Leben, sondern für die häufig traumatisierten Kinder auch psychologisch wesentlich. Sie lernen in einer sauberen Umgebung viel leichter, das eigene Zimmer in Ordnung zu halten, sich selbst zu pflegen und sich selbst wertzuschätzen”.

Unten: Die sanitären Einrichtungen im FAR-Zentrum zum Schutz von Kindern, vor und nach der Renovierung

Jerwandaschats neue Turnhalle

Das kleine Dörfchen Jerwandaschat liegt an der armenischen Grenze zur Türkei, etwa 45 km von Jerewan aus hinter der Provinzhauptstadt Armavir und 30 km hinter dem nationalen Denkmal in Sardarapat. In den etwa 200 Haushalten leben zwischen 800 und 1000 Einwohner. Ganz in der Nähe fließen der Arax und der Akhurian ineinander, und der fruchtbare Boden bringt köstliche Früchte hervor. Das Dorf hat darüber hinaus eine reiche Geschichte: (https://en.wikipedia.org/wiki/Yervandashat._Armenia).

Wie in den armenischen Grenzregionen allgemein ist die soziale Infrastruktur nur schwach entwickelt. Neben einer Arztpraxis und einem Kulturzentrum gibt es eine Schule mit Klassen vom 1. bis zum 9. Schuljahr. Eine Kinderkrippe oder einen Kindergarten für Kinder unter 6 Jahren gibt es nicht.
Die Hauptschule wurde 1987 gebaut, das Dach 2004 renoviert und neue Fenster und Türen 2010 eingebaut. Der Direktor berichtete uns, daß der Sportlehrer in 21 Stunden pro Woche alle Schüler unterrichtet, und zwar in Gruppen, die 3 Stunden pro Woche Sportunterricht bekommen. Die Schüler haben Turnen und spielen am liebsten die Mannschaftssportarten wie Basketball, Fußball, Volleyball und Handball. Regelmäßig spielen die Teams der Schule gegen Mannschaften aus anderen Dörfern oder nehmen an Turnieren teil. Aber die Turnhalle steht auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung, z.B. für Tanz-Wettbewerbe und Feiern der Dorfgemeinschaft.

Die Turnhalle war 2016 in ganz schlechtem Zustand und der Fund for Armenian Relief (FAR) war bemüht, Unterstützer zu finden, die bei der Renovierung helfen könnten. Die Mirak-Weissbach-Stiftung beteiligte sich, so daß die Renovierung gedeckt war, neue Sportgeräte (Bälle, Volleyballnetz etc.) gekauft werden konnten und die Fußballmannschaft mit neuen Trikots ausgestattet werden konnte. Die Arbeiten begannen im Juni und waren Ende August gerade rechtzeitig zum neuen Schuljahr beendet. Im April 2017 besuchten wir die Schule in Jerwandaschat und konnten begutachten, daß die Schüler in nagelneuem Outfit sehr viel Spaß an ihrer neuen Turnhalle haben.

Die Turnhalle von Jerwandaschat vor, während und nach der Renovierung:

Eine Schulküche für die Sonderschule in Parakar

In Parakar, einem kleinen Dorf außerhalb Jerewans in Sichtweite des Flughafens Zvartnots und des Ararat, ist in einem ehemaligen Industriegebiet eine beeindruckende staatliche Sonderschule für Kinder mit Behinderungen entstanden. Unter Federführung des Fund for Armenian Relief (FAR) sind hier über Jahre hinweg vorbildliche Möglichkeiten zur Ausbildung und beruflichen Qualifizierung für junge Menschen mit Behinderungen entstanden. Die Schüler, die auch in der Schule untergebracht sind, können hier u.a. Weben, Pflanzenkunde, Malen, das Töpfer- und Frisör-Handwerk erlernen. Was lange Zeit fehlte, war eine Lernküche, so daß die Schüler auch lernen, sich selbst im Alltag angemessen zu ernähren und zu versorgen. Seit 2017 ist aus einem ehemaligen Schlafraum mithilfe der Mirak-Weißbach-Stiftung eine Küche entstanden. Bei einem Besuch mit Margarit Piliposyan konnten wir uns 2019 davon überzeugen, daß die neue Küche inzwischen mit allem ausgestattet ist, was eine Küche braucht: Kühlschränke, Herde, Küchentische und -schränke, ausreichend Wasser und Strom. Und wir konnten miterleben, daß der neue Schulungsraum schon eifrig genutzt wird.

Mer Doon (“mein Haus”)

Diese Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) wurde im Januar 2005 auf Initiative von Julie Aschekyan in Armenien gegründet. Sie hat das Ziel, junge verwaiste Frauen, die mit 18 Jahren aus dem Waisenhaus entlassen werden, auf ihrem weiteren Lebensweg ins Berufs- und Erwachsenenleben zu versorgen und zu begleiten. Seit 2006 sind 11 Frauen in einem neuen großzügigen 2-stöckigen Haus mit Garten in einer Art Wohngemeinschaft in Edschmiatsin untergebracht. Sie versorgen den Haushalt, erhalten Hilfe bei der Suche nach und in der Weiterbildung, im Studium oder in der beruflichen Ausbildung. Im Haus selber werden u.a. Unterrichtsmöglichkeiten in folgenden Bereichen durchgeführt: Hauswirtschaft, Fremdsprachen, Computer-Kompetenz, Psychologie, Religion und Ethik.
Durch die Einrichtung werden alle Ausgaben für Essen, Kleidung, Lehrgeld, medizinische Versorgung udgl. gedeckt. Auch im Falle einer Eheschließung übernimmt die Einrichtung anfallende Kosten.

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Muriel Mirak-Weißbach und Bewohnerinnen des Hauses schauen sich ein Video über das Projekt “Mer Doon” an.

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Das neue, schöne Frauenhaus "Mer Doon" in Edschmiatsin

Die Mirak-Weißbach-Stiftung hat mit ihrer finanziellen Unterstützung im November 2014 ermöglicht, dass ab Januar 2015 ein neues Programm anlaufen kann. Es soll den Frauen Lehrstellen in Teil- oder Vollzeit vermitteln, sie auf die Lehrzeit vorbereiten, die Ausgaben und Stipendien während der Lehrzeit tragen und sie in der Zeit der Lehre und Ausbildung begleiten und betreuen.