Mirak-Weissbach Foundation

Armenienreise 2017:


Die diesjährige Armenienreise 2017 führte die Weißbachs vom 4.bis 12. April 2017 nach Jerewan und über Gyumri, Jervandashat, Geghaschen zurück nach Jerewan. Der Aufenthalt war wie immer voll gepackt mit Terminen zur Besichtigung abgeschlossener Projekte und Begegnungen mit alten Freunden. Die Weißbachs lernten darüber hinaus wieder neue Projekte kennen und machten neue Bekanntschaften. Im Vordergrund standen aber zunächst einmal die Projekte, die die Stiftung in den vergangenen Jahren unterstützt hatte.

In Jervandaschat, einem kleinen Dorf von 1000 Einwohnern an der türkischen Grenze gelegen, konnten wir uns davon überzeugen, daß die Turnhalle der einzigen Schule grundlegend renoviert worden war und inzwischen wieder von Schülern und Dorfbewohnern genutzt werden kann. Das Dorf liegt am Grenzfluß Arax in malerischer Kulisse am Fuße einer alten prähistorischen Festung. Seit einigen Jahren werden in der Gegend Aprikosen und andere Früchte angebaut und zu Trockenobst verarbeitet. Der Betrieb bietet so einigen Bewohnern und Saisonarbeitern Arbeit.
1 Jervandaschat
2 Jervandaschat
So sieht der Sportunterricht in der neu renovierten Turnhalle in Jervandaschat aus. Die Kinder sind mit Begeisterung bei der Sache. Der Lärmpegel war entsprechend hoch.


In dem kleinen Dorf Gusanagiuch konnten wir die Vorbereitung einer Ausstellung miterleben, die am Nachmittag des Besuchstages unter Anwesenheit des Bürgermeisters, von Lehrern, Eltern und Schülern eröffnet werden sollte. Die Ausstellung zeigte Bilder der Malklasse von Hakub Hovhanisyan. Wir hatten das Malprojekt im vergangenen Jahr mit einer Spende unterstützt.
3 Gusanagiuch - Ausstellung
Der Maler Hakub Hovhanisyan bereitet die Ausstellung der Bilder seiner Schüler vor.

An der Musikschule Nr. 6 in Gyumri konnten wir zu unserer großen Freude einem Konzert beiwohnen, das eine befreundete Musikschule gerade an diesem Tag in der Aula der Schule veranstaltete. Der von unserer Stiftung gespendete Blüthner-Flügel kam dabei pausenlos zum Einsatz.
4 Konzert in Gjumri
Der Blüthner-Flügel im Dauereinsatz während eines Schulkonzerts.


In Geghaschen, einem kleinen Dorf nördlich von Jerewan gelegen, waren wir Ehrengäste einer denkwürdigen Konzert- und Rezitationsveranstaltung der örtlichen Musikschule. Hier hatte die Stiftung im vergangenen Jahr den Kauf eines Flügels ermöglicht. Denkwürdig war die Veranstaltung u.a. deshalb, weil die Schüler der Schule Gedichte von 25 zeitgenössischen armenischen Dichtern in armenischer Sprache, und auch in der deutschen Übersetzung vortrugen. Die Gedichte waren im vergangenen Jahr in einem Gedichtband von der in Wiesbaden lebenden Deutsch-Armenierin Agapi Mkrtchian und Helmuth R. Malonek zusammengetragen und herausgegeben worden. Die Dichterin stammt aus Geghaschen und ihre Eltern hatten an dieser Schule unterrichtet.

5 Mariam mit Flügel
Die Musiklehrerin Mariam Kazaryan und der Flügel ihrer Musikschule, der im vergangenen Jahr durch die Mirak-Weißbach-Stiftung gespendet worden war. Er steht auf einer großen Bühne des Bürgerhauses in Geghaschen in direkter Nachbarschaft zur Musikschule.


6 Geghaschen Rezitation
Agapi Mkrtchian leitet die festliche Rezitation von armenischen Gedichten und auch in deutscher Übersetzung ein.



Neue Projekte:
Am 6.4.2017 besuchten wir die Schule N2 in Parakar, einem kleinen Städtchen außerhalb Jerewans auf dem Weg zum Flughafen. Die Rektorin und Lehrpersonal gaben uns eine Führung durch diese staatliche Sonderschule für Schüler und Jugendliche mit Behinderungen. Die Schule soll jetzt, neben zahlreichen schon bestehenden Sonderangeboten wie Weben von Teppichen, einer Garten- und Botanik-Abteilung auch eine Lehrküche erhalten, in der die Schüler und Jugendlichen lernen sollen, sich selbständig zu versorgen und zu kochen. Dazu muß ein Raum, der gegenwärtig als Schlafraum genutzt wird, umgebaut und neu ausgestattet werden. Das Projekt wird vom Fund for Armenian Relief (FAR) geleitet. – Inzwischen hat der Vorstand der Mirak-Weißbach-Stiftung entschieden, das Projekt zu finanzieren.
7 Führung durch die Sonderschule in Parakar
Die Weißbachs während der Führung durch die Sonderschule in Parakar. In der Bildmitte auch Margaret Piliposyan von FAR und die Direktorin der Schule.


8 neue Küche
In diesem Raum soll die neue Lehrküche entstehen. Es ist also einiges zu tun.




Am 5.4.2017 besuchten wir My Way, ein Tageszentrum für Kinder und junge Erwachsene mit Autismus. Die 4 Mütter, die das Zentrum vor Jahren mit großer Tatkraft, Entschlossenheit und Leidenschaft gegründet haben, führten uns durch die bestens eingerichteten Unterrichts- und Therapie-Räume. Die Kinder und jungen Erwachsenen erhalten hier Therapie-Angebote im Töpfen, Malen, Musik, Sprache, Sport und Spiel u.a. Das Zentrum ist das einzige seiner Art nicht nur in Armenien, sondern in der ganzen Kaukasus-Region der ehemaligen Sowjetunion. Es wird fachlich bestens betreut, erhält inzwischen auch von staatlicher Seite Unterstützung, und nicht zuletzt ist die First Lady Rita Sargsyan Schirmherrin der Einrichtung. Trotz allem reichen die Gelder für die geplanten Ausweitungen nicht aus. Die Warteliste von betroffenen Familien ist lang und neue Räumlichkeiten dringend notwendig. Die Einrichtung benötigt aber auch Spenden, so daß die professionellen, bisher schlecht bezahlten Therapeut/Innen eine Aufstockung ihres Gehaltes bekommen können. Zu diesem Zweck haben wir inzwischen eine Spende von 5000 € überwiesen.
Einen ausführlichen Artikel über das Zentrum My Way finden Sie unter der Rubrik Nachrichten.
9 my way
So sehen die Therapieangebote im Zentrum für autistische Kinder My Way aus, fast überall ist das Verhältnis von Kind oder Jugendlichem zu Betreuer oder Therapeut/in 1:1.



Auch in diesem Jahr kam es zu einem Wiedersehen mit der Sängerin Lusine Arakelyan. Sie hatte ja Ende 2016 eine erfolgreiche Konzerttour durch einige Städte in Polen gemacht, die auch Ende 2017 wiederholt werden soll. Lusine lernt inzwischen eifrig Deutsch, weil sie ihre Ausbildung in Operngesang im September in Berlin fortsetzen will. Die Mirak-Weißbach-Stiftung wird die Reisekosten und die Gebühr für den Kurs übernehmen.
10 Lusine Arakelyan, Muriel Mirak-Weißbach
Lusine Arakelyan und Muriel Mirak-Weißbach vor der Oper in Jerewan. Die Sopranistin wird im September ihre Ausbildung zur Opernsängerin in Berlin fortsetzen und lernt schon fleißig Deutsch.



Bei unserem Treffen mit den Professoren Navoyan und Rektor Schahinyan im Komitas-Konservatorium am 5.4.2017 brachten wir auch das Thema des Nachlasses des inzwischen aufgelösten Wiesbadener Kurhausorchesters zur Sprache. Es befindet sich momentan im Besitz des Soloklarinettisten des Wiesbadener Staatstheaters Herrn Rekeszus. Da Herr Rekeszus Ende diesen Jahres in Rente geht, möchte er den Nachlaß dem Konservatorium in Jerewan übergeben. Der Nachlaß umfaßt auch zahlreiche CD’s und Bücher zur Musikgeschichte und –wissenschaft. Das Konservatorium ist sehr interessiert, dieses Material zu erhalten. Wir werden die Verpackung und Verschickung des umfangreichen Noten- und Buchmaterials in den nächsten Sommermonaten organisieren und finanzieren.
11 Scheidt-Archiv im Kons.
Das vor einem Jahr gespendete Noten-Material des verstorbenen Wiesbadener Dirigenten und Pianisten Bernd Scheidt, das die langjährige Lebensgefährtin Sabine Meerwein der Mirak-Weißbach-Stiftung gespendet hatte, hat inzwischen in der großen Musikbibliothek des Konservatoriums einen ehrenvollen Platz gefunden.